Die Bergenbahn - Der langsamste Schnellzug der Welt: Unterschied zwischen den Versionen

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...der langsamste Schnellzug der Welt, von Oslo nach Bergen,
 
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Florian Kuba 2004
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Florian Kuba 2004
  
 
....die Temperatur beträgt 11°C unter Null. Der Zug beschleunigt. Sein Sog zieht einen Vorhang aus Eiskristallen zwischen sich und Bergen........
 
....die Temperatur beträgt 11°C unter Null. Der Zug beschleunigt. Sein Sog zieht einen Vorhang aus Eiskristallen zwischen sich und Bergen........
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=Die Bergenbahn=
 
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Der Plan, zwischen Oslo und Bergen, den beiden größten Städten Norwegens, eine Eisenbahn zu bauen, entstand 1870. Die Gesamtstrecke beträgt 493 km und entstand unter extremen Arbeitsbedingungen. Das Baumaterial wurde mit Pferden in das zentralnorwegische Gebirge angeliefert. Um das massive Granitgestein zerstören zu können, wurden 700 t Dynamit benötigt und dadurch entstanden 186 Tunnel mit einer Gesamtlänge von knapp 60 km. Das größte Problem stellte jedoch das Wetter da. Über 100 km Schienen liegen über der Baumgrenze, auf dem Dach Norwegens, und in dieser meschenfeindlichen Umgebung dauert der Winter 9 Monate und der Schnee kann sich bis zu 6 m auftürmen und die Temperaturen sinken schon mal auf minus 23°C oder noch kälter. Man muß also vor dieser Bauleistung den Hut ziehen.
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Der Plan, zwischen Oslo und Bergen, den beiden größten Städten Norwegens, eine Eisenbahn zu bauen, entstand 1870. Die Gesamtstrecke beträgt 493 km und entstand unter extremen Arbeitsbedingungen. Das Baumaterial wurde mit Pferden in das zentralnorwegische Gebirge angeliefert. Um das massive Granitgestein zerstören zu können, wurden 700 t Dynamit benötigt und dadurch entstanden 186 Tunnel mit einer Gesamtlänge von knapp 60 km. Das größte Problem stellte jedoch das Wetter da. Über 100 km Schienen liegen über der Baumgrenze, auf dem Dach Norwegens, und in dieser menschenfeindlichen Umgebung dauert der Winter 9 Monate und der Schnee kann sich bis zu 6 m auftürmen und die Temperaturen sinken schon mal auf minus 23°C oder noch kälter. Man muss also vor dieser Bauleistung den Hut ziehen.
  
 
Knapp drei Stunden nach Abfahrt und einer Fahrt durch eher flache Landschaft wird Gol, das auf 207 m ü.d.M. liegt erreicht. Von nun an wird es gebirgig und bei einer Strecke von weniger als 100 km klettert der Zug auf über 1100 m hinauf.
 
Knapp drei Stunden nach Abfahrt und einer Fahrt durch eher flache Landschaft wird Gol, das auf 207 m ü.d.M. liegt erreicht. Von nun an wird es gebirgig und bei einer Strecke von weniger als 100 km klettert der Zug auf über 1100 m hinauf.
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Finse, der höchste Punkt der Strecke, liegt auf 1222 m ü.d.M. und besteht aus einem Krämerladen, 40 Einwohnern, zwei Hotels (für die Wintersportler) und die nächste Straße ist 50 km entfernt. Der Schnee ist bis auf einer Höhe von ca. 4m aufgetürmt und auch das Bahnhofsschild ist in den Schneewehen nur schwer zu erkennen.
 
Finse, der höchste Punkt der Strecke, liegt auf 1222 m ü.d.M. und besteht aus einem Krämerladen, 40 Einwohnern, zwei Hotels (für die Wintersportler) und die nächste Straße ist 50 km entfernt. Der Schnee ist bis auf einer Höhe von ca. 4m aufgetürmt und auch das Bahnhofsschild ist in den Schneewehen nur schwer zu erkennen.
  
Die Fahrt geht noch einwenig länger über die kahle Hochebene und bei schönstem Sonnenschein hat man eine phantastische Aussicht. Schnee soweit das Auge reicht und nur ganz vereinzelt lassen sich auf dem Platue Skiwanderer ausmachen.  
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Die Fahrt geht noch ein wenig länger über die kahle Hochebene und bei schönstem Sonnenschein hat man eine phantastische Aussicht. Schnee soweit das Auge reicht und nur ganz vereinzelt lassen sich auf dem Plateau Skiwanderer ausmachen.  
  
 
Der feine Pulverschnee wird von der Lok aufgewirbelt, und die Gischt weht an den Fenstern vorbei und langsam beginnt der Abstieg nach Myrdal, das auf 866 m ü.d.M. liegt und als Knotenpunkt gilt, da von hieraus die berühmte Flåm-Bahnen abfährt.
 
Der feine Pulverschnee wird von der Lok aufgewirbelt, und die Gischt weht an den Fenstern vorbei und langsam beginnt der Abstieg nach Myrdal, das auf 866 m ü.d.M. liegt und als Knotenpunkt gilt, da von hieraus die berühmte Flåm-Bahnen abfährt.
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=Exkurs Flåm-Bahnen=
 
=Exkurs Flåm-Bahnen=
  
Die 1944 eröffnete Strecke von Myrdal nach Flåm gilt als eine der schönsten der Welt. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h wird auf dieser 20 km langen Strecke ein Höhenunterschied von 863 m überwunden. Um dies zu schaffen, wurden drei Kehrtunnel in den Fels gesprengt und die Züge so gebaut, daß sie extreme Höhenunterschiede bewältigen können. Die maximale Steigung beträgt  
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Die 1944 eröffnete Strecke von Myrdal nach Flåm gilt als eine der schönsten der Welt. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h wird auf dieser 20 km langen Strecke ein Höhenunterschied von 863 m überwunden. Um dies zu schaffen, wurden drei Kehrtunnel in den Fels gesprengt und die Züge so gebaut, dass sie extreme Höhenunterschiede bewältigen können. Die maximale Steigung beträgt 55 ‰, und über einer Streckenlänge von 16 km ist eine Steigung von > 28 ‰ zu bewältigen. Der Zug ist mit fünf von einander unabhängigen Bremssystemen ausgestattet, und jedes davon allein könnte im Notfall den Zug zum Stehen bringen.  
55 ‰, und über einer Streckenlänge von 16 km ist eine Steigung von > 28 ‰ zu bewältigen. Der Zug ist mit fünf von einander unabhängigen Bremssystemen ausgestattet, und jedes davon allein könnte im Notfall den Zug zum Stehen bringen.  
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Auf der Fahrt ins Tal werden unzählige gefrorene Wasserfälle, in denen sich das Licht bricht, passiert. An den größeren Wasserfällen hält der Zug an und es besteht die Möglichkeit Fotos zu machen.
 
Auf der Fahrt ins Tal werden unzählige gefrorene Wasserfälle, in denen sich das Licht bricht, passiert. An den größeren Wasserfällen hält der Zug an und es besteht die Möglichkeit Fotos zu machen.
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Von Myrdal aus geht es ständig bergab und nach gut zwei Stunden ist Bergen erreicht.
 
Von Myrdal aus geht es ständig bergab und nach gut zwei Stunden ist Bergen erreicht.
  
Bergen (www.visitbergen.com) wurde in der Regierungszeit von König Olav Kyress (1066-93) zur Stadt ernannt und hat heute 220.000 Einwohner. In der Hansezeit war Bergen einer der bedeutendsten Städte, denn die hanseatischen Kaufleute hatten ihre wichtigsten ausländischen Handelsstationen dort: Det tyske Kontor auf Bryggen.
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Bergen (https://www.visitbergen.com/) wurde in der Regierungszeit von König Olav Kyress (1066-93) zur Stadt ernannt und hat heute 220.000 Einwohner. In der Hansezeit war Bergen einer der bedeutendsten Städte, denn die hanseatischen Kaufleute hatten ihre wichtigsten ausländischen Handelsstationen dort: Det tyske Kontor auf Bryggen.
  
 
Die Bryggen gelten auch heute noch als Sehenswürdigkeit und sollten unbedingt besichtigt werden. Die Bryggen ist das ältestes Stadtviertel und besteht aus alten Holzhäusern die eng beieinander stehen und somit einen Eindruck vermitteln, wie das Leben im 13. Jahrhundert stattgefunden hat. Man schreitet über alte Holzböden und muß sich durch enge Gassen zwängen. Leider sind größerer Teile der Bryggen bei verschiedenen Stadtbränden abgebrannt.
 
Die Bryggen gelten auch heute noch als Sehenswürdigkeit und sollten unbedingt besichtigt werden. Die Bryggen ist das ältestes Stadtviertel und besteht aus alten Holzhäusern die eng beieinander stehen und somit einen Eindruck vermitteln, wie das Leben im 13. Jahrhundert stattgefunden hat. Man schreitet über alte Holzböden und muß sich durch enge Gassen zwängen. Leider sind größerer Teile der Bryggen bei verschiedenen Stadtbränden abgebrannt.
  
Bergen bietet eine Vielzahl von Besichtigungsmöglichkeiten und es lohnt sich ein, zwei Tage dort zuverweilen. So kann zum Beispiel mit der Fløibanen, eine Art Seilbahn, nach Fløyen fahren und auf dem Berg Wanderungen unternehmen.
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Bergen bietet eine Vielzahl von Besichtigungsmöglichkeiten und es lohnt sich ein, zwei Tage dort zu verweilen. So kann zum Beispiel mit der Fløibanen, eine Art Seilbahn, nach Fløyen fahren und auf dem Berg Wanderungen unternehmen.

Aktuelle Version vom 14. März 2019, 01:03 Uhr

Finse
Siedlung im Schnee
Kehrtunnel nach Myrdal
Kein Sandstrand, sondern Schnee
Naturgewalten

Die Bergenbahn...

...der langsamste Schnellzug der Welt, von Oslo nach Bergen, Florian Kuba 2004

....die Temperatur beträgt 11°C unter Null. Der Zug beschleunigt. Sein Sog zieht einen Vorhang aus Eiskristallen zwischen sich und Bergen........

Die Bergenbahn

Der Plan, zwischen Oslo und Bergen, den beiden größten Städten Norwegens, eine Eisenbahn zu bauen, entstand 1870. Die Gesamtstrecke beträgt 493 km und entstand unter extremen Arbeitsbedingungen. Das Baumaterial wurde mit Pferden in das zentralnorwegische Gebirge angeliefert. Um das massive Granitgestein zerstören zu können, wurden 700 t Dynamit benötigt und dadurch entstanden 186 Tunnel mit einer Gesamtlänge von knapp 60 km. Das größte Problem stellte jedoch das Wetter da. Über 100 km Schienen liegen über der Baumgrenze, auf dem Dach Norwegens, und in dieser menschenfeindlichen Umgebung dauert der Winter 9 Monate und der Schnee kann sich bis zu 6 m auftürmen und die Temperaturen sinken schon mal auf minus 23°C oder noch kälter. Man muss also vor dieser Bauleistung den Hut ziehen.

Knapp drei Stunden nach Abfahrt und einer Fahrt durch eher flache Landschaft wird Gol, das auf 207 m ü.d.M. liegt erreicht. Von nun an wird es gebirgig und bei einer Strecke von weniger als 100 km klettert der Zug auf über 1100 m hinauf.

Während es immer schwieriger wird die kleinen braunen Holzhäuser in der weiten weißen Schneelandschaft zu finden, da sie vom Schnee fast komplett verdeckt sind wird die Landschaft schroffer.

Die Bäume haben auch nun schwerer an den Schneelasten zu tragen und die Äste sind stark nach unten gebogen. Nach einer Stunde Fahrt wird Geilo (www.geilo.no) das Paradies für Wintersportfans erreicht.

Finse, der höchste Punkt der Strecke, liegt auf 1222 m ü.d.M. und besteht aus einem Krämerladen, 40 Einwohnern, zwei Hotels (für die Wintersportler) und die nächste Straße ist 50 km entfernt. Der Schnee ist bis auf einer Höhe von ca. 4m aufgetürmt und auch das Bahnhofsschild ist in den Schneewehen nur schwer zu erkennen.

Die Fahrt geht noch ein wenig länger über die kahle Hochebene und bei schönstem Sonnenschein hat man eine phantastische Aussicht. Schnee soweit das Auge reicht und nur ganz vereinzelt lassen sich auf dem Plateau Skiwanderer ausmachen.

Der feine Pulverschnee wird von der Lok aufgewirbelt, und die Gischt weht an den Fenstern vorbei und langsam beginnt der Abstieg nach Myrdal, das auf 866 m ü.d.M. liegt und als Knotenpunkt gilt, da von hieraus die berühmte Flåm-Bahnen abfährt.


Hochebene Finse

Exkurs Flåm-Bahnen

Die 1944 eröffnete Strecke von Myrdal nach Flåm gilt als eine der schönsten der Welt. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h wird auf dieser 20 km langen Strecke ein Höhenunterschied von 863 m überwunden. Um dies zu schaffen, wurden drei Kehrtunnel in den Fels gesprengt und die Züge so gebaut, dass sie extreme Höhenunterschiede bewältigen können. Die maximale Steigung beträgt 55 ‰, und über einer Streckenlänge von 16 km ist eine Steigung von > 28 ‰ zu bewältigen. Der Zug ist mit fünf von einander unabhängigen Bremssystemen ausgestattet, und jedes davon allein könnte im Notfall den Zug zum Stehen bringen.

Auf der Fahrt ins Tal werden unzählige gefrorene Wasserfälle, in denen sich das Licht bricht, passiert. An den größeren Wasserfällen hält der Zug an und es besteht die Möglichkeit Fotos zu machen.

Nach gut einer Stunde wird die im Tal und direkt am Aurlandsfjord gelegene Kleinstadt Flåm erreicht. Im Winter ist nichts los, im Sommer hingegen gibt es diverse touristische Angebote.

Von Myrdal aus geht es ständig bergab und nach gut zwei Stunden ist Bergen erreicht.

Bergen (https://www.visitbergen.com/) wurde in der Regierungszeit von König Olav Kyress (1066-93) zur Stadt ernannt und hat heute 220.000 Einwohner. In der Hansezeit war Bergen einer der bedeutendsten Städte, denn die hanseatischen Kaufleute hatten ihre wichtigsten ausländischen Handelsstationen dort: Det tyske Kontor auf Bryggen.

Die Bryggen gelten auch heute noch als Sehenswürdigkeit und sollten unbedingt besichtigt werden. Die Bryggen ist das ältestes Stadtviertel und besteht aus alten Holzhäusern die eng beieinander stehen und somit einen Eindruck vermitteln, wie das Leben im 13. Jahrhundert stattgefunden hat. Man schreitet über alte Holzböden und muß sich durch enge Gassen zwängen. Leider sind größerer Teile der Bryggen bei verschiedenen Stadtbränden abgebrannt.

Bergen bietet eine Vielzahl von Besichtigungsmöglichkeiten und es lohnt sich ein, zwei Tage dort zu verweilen. So kann zum Beispiel mit der Fløibanen, eine Art Seilbahn, nach Fløyen fahren und auf dem Berg Wanderungen unternehmen.