Vinschgau / Südtirol: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 14. April 2013, 14:38 Uhr

Stefan Peters 2007

Einstimmung

Pittoreske Dörfer mit Arkaden, weiß verputzen Steinhäusern oder Kapellen sind die zivilisatorischen Zentren des Vinschgau.

Rundherum entfaltet sich eine vielfältige Kultur- und Naturlandschaft: In den Bereichen des Etschtals breite, als Weideland genutzte Wiesenflächen und Apfelplantagen mit angenehmen Spazierwegen. Je höher man nahe des Ortlers oder der Ötztaler Alpen hinaufkommt, umso rauher wird das Gelände. Zuerst begraste, dann nackte Felsbuckel und ab 3.000m Höhe muss man auch schon einmal die Hände zur Hilfe nehmen, um das Gleichgewicht zu behalten. Über allem scheint oft die Sonne - der Vinschgau ist eine Gutwettergegend innerhalb der Alpen.

So vielfältig ist ein einziges Tal mit seinen Nebentälern, der Vinschgau. Kulturell und regionalwirtschaftlich interessant, politisch bemerkenswert und landschaftlich herausfordernd - hier lässt sind von kurt bis lang alle Spielarten der Großfahrt möglich.

Zielgruppe

Der Vinschgau ist geeignet für junge Sippen mit wenig Kraft, Ausdauer und Erfahrung, für mittelalte und auch für erfahrene Fahrtengruppen. Die Devise lautet: Je erfahrener, umso höher dürft ihr steigen.

Jüngere bleiben in den unteren, noch bewaldeten oder von Wiesen bewachsenen Bereichen bis max. 2000m und genießendie Ausblicke in felsige Regionen. Ältere können sich in die Felslandschaften über 2000m hinaufwagen, wo zünftige Hochgebirgs-, ja sogar Gletschertouren möglich sind.

Anreise

Eisenbahn

Seit 2005 hat der Vinschgau seine Bahnlinie zurück, die die Vinschger Talorte stündlich mit Meran und dadurch auch mit dem italienischen Staatsbahnnetz verbindet. Für die Anreise aus Italien ist dies hochinteressant. Für die Anreise aus Deutschland oder Österreich hingegen bringt es wenig, denn sie erfordert den Umweg über den Brenner über Bozen. Eine direkte Nord-Süd-Zugverbindung zwischen Landeck und Mals war Anfang des 20. Jahrhunderts geplant, als Nord- und Südtirol beide zu Österreich gehörte. Allerdings wurde daraus nichts.

Am sinnvollsten ist folgende Reisekette: 1. Eisenbahnanreise ins österreichische Landeck.

2. Alle 2 Stunden mit Linie 4220 (Landeck-Scuol) nach Nauders

3. von dort aus 5x täglich in 45min mit Linie 101b (Naudres-Mals) nach Mals

4. Jede Stunde mit der Vinschgauer Eisenbahn, wohin man möchte.

Flug

Der am günstigsten gelegene Flughafen ist Bozen. Von dort aus mehrmals wöchentlich Flugverbindungen Deutschland (Angebot variiert je nach Saison). Über einschlägig bekannte Flugsuchmaschinen sind diese Flüge nicht zu finden, daher hier dir direkten links:

Sommersaison: Air Alps BZO-HAJ, 230€ für Hin- und Rück, www.alpsflyreservation.com

Wintersaison: Austrian Arrows, 230€ für Hin- und Rück, http://www.suedtirol.info

Für Billigairlines gibt es keine günstig gelegenen Flughäfen zum Erreichen des Vinschgau.

Vom Flughafen Bozen aus mit Buslinie 10a oder 10b zum Bahnhof Bozen. Ab dort weiter mit der Eisenbahn viaMeran in den Vinschgau - das ist recht einfach.

Auto

Die Anreise mit dem privaten PKW ist mitunter am einfachsten. Von Deutschland aus ist der Vinschgau am leichtesten über das Inntal und den Reschenpass erreichbar.

Verkehrsverbindungen im Vinschgau

Seit 2005 versorgt die Vinschgauer Eisenbahn das Etschtal mit einem erstklassigen stündlichen Nahverkehrsangebot zwischen Mals und Meran. Von den meisten Bahnhöfen zweigen Buslinien ab, so dass auch kleinere Orte in Reichweite kommen. Der Vinschgau ist für den autofreien Urlaub also wie gemacht, vorausgesetzt, man will bereits zu Schul- oder Marktzeiten aufstehen, wenn die Busse in der Regel fahren!

Wandern

Ein fantastisches Wanderland, der Vinschgau, der absolute Traum für Spaziergänger, für Mittelgebirgswanderer, für Hochgebirgswanderer und für Hochtourengeher. Es gibt ein solch dichtes Netz schöner Wanderwege, dass man sich glatt darin verheddern könnte. Auskunft und Anreiz zu ein- und mehrtägigen Touren geben die Landkarten (siehe unten) und die Reiseführer (siehe Spalte rechts)

Zelten

Ist zwar nicht erlaubt, aber in der Regel möglich. Im Hochgebirge ist Zelten im Rahmen eines hochalpinen Biwaks sogar erlaubt.

In der Nähe von Gebirgshütten ist Zelten ebenfalls möglich. Ich habe erlebt, dass als Gegenleistung für die Hüttennähe die Gebühr für ein Notlager bezahlt werden musste, was für Alpenvereinsmitglieder rund 3,50 Euro sind. Die Regeln der Höflichkeit gebieten es also, bei Hüttenwirt um Erlaubnis zu fragen. Auch wenn der Grund und Boden ihm nicht gehört, so verläßt man sich beim Zelten in Hüttennähe doch darauf, im Notfall Wasser und Gewitterschutz in der Hütte in Anspruch zu nehmen...

Da gut gewachsenes Stangenholz selten ist, sollte eine Kothenstange mitgebracht werden.

Für einen mehrtägigen Aufenthalt ans Herz gewachsen ist mir der sehr freundliche, kleine Campingplatz in Mals, http://www.campingmals.it. Er liegt nah an der Sauna/Hallenbad, nah am Bahnhof mit schöner italienischer Bar und nah am Ortskern Mals. Wer zur vollen Stunde auf WC geht, ist zu dem stets über das Weltgeschehen sowie Staus auf österreichischen Autobahnen informiert. Einziger Nachteil: Selbst für teure italienische Verhältnisse noch ein teurer Platz...

Gebirgshütten

Im Zeitraum 20. Juni bis 20. September bieten Gebirgshütten sich für eine Übernachtung an (niedrig gelegene Hütten haben länger geöffnet), die 14-17 Euro je Übernachtung kosten. Auch eine mehrtätige Hüttentour von Gebirgshütte zu Gebirgshütte durch die Ötztaler Alpen oder im Nationalpark Stilfser Joch, v.a. Ortler und Umgebung, lässt sich zusammenstellen.

Vor allem an Wochenenden und im Monat August lohnt vorherige Reservierung. Siehe auch das Verzeichnis aller privaten und vom Alpenverein geführten Hütten: www.cailugo.it

Alpenvereinsmitglieder bekommen in den Alpenvereinshütten 50% Rabatt auf den Übernachtungspreis. Der europaweit günstigste Alpenverein, der Ausländer gegen einen geringen Aufpreis ebenfalls aufnimmt, ist der Alpenverein Südtirol (AVS). Siehe auch: www.alpenverein.it.

Die Gebirgshütten bieten eine einfache, aber sehr wohlschmeckende Küche an, die sich meist um Pasta, Minestrone, Knödel, Polenta und kalte Platte dreht. Die Halbpension kosten inklusive Übernachtung zwischen 30-35 Euro, aber auch Essen à la Carte ist möglich (wer kein italienisches 3-Gänge-Menü möchte, speist à la Carte günstiger). Da in den Gebirgshütten alle Leistungen getrennt abgerechnet werden, kannst du dich aber auch selbst verpflegen.

Wasser

Im Gebirge kommt man alle 3 3-4 Stunden an wasserführenden Bächen vorbei. Selbst im Etschtal gibt es zahlreiche kleinere Bäche, die für die Trinkwasserversorgung genutzt werden können.

Offenes Feuer

Der Vinschgau ist wenig waldreich. Das Etschtal selbst besteht aus Wiesen, Apfelplantagen und weiter unten Weinbergen. In den unteren Hangbereichen ist am ehesten Nadelwald zu finden, der ab 2000m Höhe einer kargen, aber schönen Wiesen- und Felslandschaft weicht. Feuer ist also möglich, könnte aber Holzsuchfertigkeiten erfordern.

Einfacher ist es in jedem Falle mit einem Benzin- oder Gaskocher.

Lebensmittel

Jedes Dörfchen mit mehr als 1.000 Einwohnern hat seinen Mini-Supermarkt, in dem es auch bei noch so kleiner Ladengröße frisches Gemüse, frisches Obst und regionalen Wein gibt. Obwohl das "heiße" Italien fern liegt, machen die Läden mittags 2-4 Stunden Mittagspause, die es zu beachten gilt. Ansonsten sind die Lebensmittelläden montags bis samstags ca. 9-19h geöffnet.

Sprache

Als Teil der autonomen Provinz Bozen gelten im Vinschgau Italienisch und Deutsch als Amtsprachen. Fast 100% der Bewohner sind ethnische Südtiroler mit Deutsch als Muttersprache. Von daher ist die Verständigung einfach.

Lediglich bei den Carabinieri (Polizei) kann es vorkommen, dass du auf Italienisch oder Englisch ausweichen musst. Die Carabinieri sind Teil der Italienischen Armee, die auf national verwaltet wird. Der Einsatz von Carabinieri aus Südtirol in ihrer Heimatprovint Bozen klappt noch nicht immer ganz reibungslos. Im Gegenzug kannst du mit Glück in anderen italienischen Regionen einen deutschsprachigen Carabiniero aus Südtirol treffen...

Landkarten

Kompass WK 52 Vinschgau/Val Venosta ISBN: 3-85491-058-4 Maßstab: 1:50.000 Preis: € 7,50

Die Karte ist präzise und dank Begleitheft auch noch lehrreich. Was will man mehr?

Reisetipps

Kapellen von St. Sisinius / Laas und St. Veith / Tartsch

Zwei kleine, weiß verkalkte, romanische Kapellen liegen mitten im Etschtal auf kleinen Anhöhen und sind echte Oasen der Ruhe. Von außenvon Büschen oder Bäumen umgeben, verstecken sie sich vor Blicken von der Haupstraße. Eine echte Entdeckung - hier kann man die Stunden rasch vergessen.

Malser Haide

Zwischen St. Valentin auf der Haide im Norden und Schluderns im Süden streckt sich eine große, begraste schiefe Ebene über die gesamte Breite des Etschtals aus. Diese "Wiese" ist einer der größten Moränenhügel aus der letzten Eiszeit. Ein beeindruckend rundes Objekt inmitten der felsigen Hochgebirgslandschaft.

Schön ist es, über die Wiesen der Malser Haide zu wandern. Den schönsten Ausblick auf die Haide aber hat man Kloster Marienberg oberhalb von Burgeis oder vom Ansitz Plawenn, dem höchsten Punkt auf der Haide selbst.

Waalwege

Der flache Talboden des Vinschgau und seine nahe am Talboden gelegenen Hänge haben eine ideale Sonnenexposition, so dass Äpfel und Gras dort gut gedeien. Was stets fehlte, war das Wasser. Also gruben die Vinschgauer vor mehreren Hundert Jahren Kanäle, die Wasser aus höhergelegenden Bereichen von Bächen abzweigten und in die trockenen Hanglangen führten. Diese sogenannten Waale sind heute meistenteils durch Beregnungsanlagen ersetzt worden und befinden sich nicht mehr in Betrieb. In wenigen Bereichen werden sie mit viel Aufwand am Leben erhalten - inklusiver ihrer Begleitwege, der Waalwege, auf denen der "Waaler" seine Wartungsarbeitn durchführte. Die Waalewege sind fantastische Wanderwege, ziehen sie sich doch meist aussichtsreich mit geringem Gefälle an den Hängen entlang. Erfrischendes Wasser ist natürlich auch stets in der Nähe.

In den lokalen Fremdenverkehrsämtern ist gegen Gebühr ein kleines Faltblatt erhältlich, das alle Waalwege des Vinschgau auflistet.

Stilfser Joch Nationalpark

Weite Teile der Westseite des Vinschgau liegen im Stilfser Joch Nationalpark, http://naturatrafoi.com, einer beeindruckenden Fels- und Gletschergegend, in derauch der Ortler liegt. Sehenswert sind neben den Bergen auch das Nationalparkhaus in Martell mit einer kostenlosen Ausstellung zur Ausstattung des NAtionalparks mit Flora und Fauna und der Wirtschaftskraft des Nationalparks.

Matscher Tal und Schliniger Tal

Das Matscher und das Schliniger Tal sind lange, steile und schmale Bergtäler mit kräftigen Bächen, die sich in west-östlicher Richtung weit vom Etschtal in die Gebirgswelt hineinziehen. Je tiefer man hineinwandert, umso einsamer wird es. Schöne Tagestouren sind es, die Täler einmal zu "umrunden".

Am Ende des Schliniger Tals lockt die aussichtsrech gelegene Sesvennahütte des AVS, http://www.sesvenna.it.

Am Ende des Matscher Tals liegt sehr weit oben die Oberetteshütte des AVS, http://www.oberettes.it.