Korsika

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Felsiges Nachtlager
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Einstimmung

Korsika, auch Insel der Schönheit oder Gebirge im Meer genannt, wartet tatsächlich nicht nur mit ganz besonderen visuellen Reizen auf, sondern auch mit einigen hohen Erhebungen. Diese Insel mit ihrer wechselvollen Geschichte – römisch, pisantinisch, genuesisch, deutsch/italienisch und schließlich französisch musste sie – und wollte dabei doch stets korsisch sein. Immer neue Angriffe trieben die Bewohner schließlich ins Inselinnere – wo sich bis heute eine ganz besondere korsische Identität gehalten hat.

Insel der Gegensätze – auch eine treffende Beschreibung. Am Küstenstreifen Obstplantagen, Weinanbau, Weidewirtschaft. In der Haute-Corse der zentrale Gebirgsstock um den Monte Cinto, mit seinen einschneidenden Restonica-, Spelunca- und Tavignanoschluchten. Macchia, Hartlaubwälder, windgeformte Bergwälder. Schließlich die Corse Du Sud – geprägt von Block- und Kalklandschaften, skurrilen Felsformationen im Alta Rocca, den "korsischsten" Dörfern und Kastanienhainen.

Anreise

Die Anreise kann entweder mit dem Flugzeug über die Flughäfen Bastia und Ajaccio geschehen, oder (wie wohl in den meisten Fällen) per Fähre. Für uns gut zu erreichende Fährhäfen sind Nizza, Genua, Savona und Livorno. Vor April ist der Fährverkehr jedoch stark eingeschränkt. Darüber hinaus sollte man Livorno Centrale (Fährhafen) nicht mit Livorno Ferraris (nix) verwechseln – und darauf achten, dass auch das Reisebüro dies nicht tut. Notfalls ist das dem Bahnhof von Liv Ferr Gegenüberliegende Reisebüro aber durchaus kompetent, die Fähre schnell umzubuchen und so eine Anreise zu ermöglichen.

Preiswert ist die Bahnfahrt mit dem ICE-Sparpreis Italien für eine Gruppe. Zugverbindungen und Preise von der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn AG.

Reisen auf Korsika

Zugverbindungen gibt es zwischen Bastia, Corte, Calvi, und Ajaccio. Der Rest der Insel ist von mehreren Busunternehmen mehr schlecht als recht erschlossen. Die Fahrpläne sind nicht abgestimmt, der Bus kommt auch mal zwei Minuten zu früh und fährt sehr selten. "l’autostop" funktioniert im Inselinneren (wenn denn ein Auto kommt!) recht gut – auf den Küstenstraßen von Porto-Vecchio nach Bastia mussten wir lange, lange, lange warten. Aber letzten Endes geht es doch. Noch dazu lassen sich so viele Informationen sammeln, die eine Reise bereichern. Und gerade, wenn man mal schnell zum Einkaufen sieben Dörfer weiter muss, ist es hilfreich...

Wandern

Korsika bietet Möglichkeiten, die unsere Herzen höher schlagen lassen. Nahezu das gesamte Inselinnere bildet seit 1972 den Parc Naturel Régional de la Corse – dieser wurde von der Nationalparkverwaltung mit einer bekannten Nord-Süd-Route, dem GR 20, und drei Ost-West-Routen (Mare a Mare Nord, Mare a Mare Central und Mare a Mare Sud) durchzogen, die allesamt herrliche Ausblicke und Einblicke in das Land und Leben der Korsen erlauben. Ferner gibt es zwei Wanderwege an der Westküste (Mare e Monti), die mit einem Schlenker über Gebirgsausläufer immer wieder ans Meer führen. Eine gute Übersichtskarte über alle Wanderwege findet man im HB Atlas Korsika, der gerade neu aufgelegt wird. Da die fünf zuerst genannten Wanderwege durch durchaus alpine Regionen führen, sind sie nicht ganzjährig passierbar – gerade der GR 20 kann bis in den April hinein nicht geeignet sein. Doch müssen wir als Pfadfinder diese Beschreibungen auch immer mit unserem Maß messen – der "normale" Korsika Urlauber stellt andere Wetteranforderungen als wir. Im März 2001 war der Mare a Mare Nord schneefrei, der GR 20 sicherlich nicht. In solchen Regionen muss mit einem plötzlichen Wetterumschwung, gerade auf der Windseite, stets gerechnet werden. Alle diese Wanderwege sind mit Etappenhütten ausgestattet – diese sind jedoch außerhalb der Saison geschlossen und zumeist auch nicht kostenlos. Bevor jedoch der Touristenstrom über die Insel hereinbricht sind diese Wege sehr einsam und nur am Wochenende begegnen einem Korsen auf dem Weg zum Angeln.

Die Wanderwege sind in der Regel hervorragend markiert.

Wasser

Die Wasserversorgung stellte im März kein Problem dar – im Sommer wird man sich jedoch nur in den Ortschaften und bei bekannten, in Führern vermerkten Quellen eindecken können. Das Wasser der noch von der Schneeschmelze gespeisten Bäche unserer nördlichen Etappe genossen wir in vollen Zügen von außen und innen, wann immer es sich bot. Es schmeckt hervorragend und stellt das Leitungswasser der Dörfer und Städte weit in den Schatten. Im südlicheren Teil waren die Bäche nicht mehr ganz so häufig, oft sahen wir mit Blick auf Zivilisationsmüll davon ab, uns direkt zu bedienen. Doch auch hier keine Probleme.

Feuer

Ohne Feuer wird eine Fahrt nur halb so schön – und auch wir verzichteten Mitte März nicht darauf. Doch wenn die Trockenheit, bei der ein kleiner Funke die Grundlage der traditionellen korsischen Landbewirtschaftung aufs Spiel setzen kann, ihre Fühler ausstreckt, heißt das für uns, dass wir auf Feuer verzichten. Um den Wald zu schonen, und um nicht wie Fahrtenrambos die korsische Bevölkerung zu missachten. Der Verantwortung, die man beim Entfachen eines Feuers auf sich lädt, sollte man sich also bewusst sein.

Zelten

Zelten und Biwakieren ist, ebenso wie Feuer, im gesamten Nationalpark nicht gestattet. Vor dem Hintergrund der verheerenden Waldbrände in diesen Regionen ist dies durchaus nachzuvollziehen, und man sollte mit viel Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen. Im März ist reichlich Wasser vorhanden – man findet also immer einen nahezu perfekten Lagerplatz oder eine (noch) verlassene Bergerie, die einem Schutz bieten kann.

Lebensmittel

Auf Schwarzbrot müssen wir hier verzichten. Dennoch kann man sich fast überall mit Lebensmitteln versorgen – an erster Stelle mit Baguette und Flûte (dickes Baguette), frischem Obst und Gemüse und den bekannten Grundkomponenten. Wärmstens ans Herz legen möchte ich jedem Korsikafahrer Polenta (Maismehlprodukt) und Couscous (hirseartige Beilage). Während Polenta sich statt Müsli eignet – denn das kostet Unsummen -, ist CousCous mit einer Minute Kochzeit die ideale Beilage zu frischem Gemüse... Fleisch ist in den kleinen Dörfern schwer zu bekommen und teuer – bei den kalten Mahlzeiten wird man unweigerlich auf Dosenfisch (Immer den in Öl kaufen, der mit Wasser und Salz schmeckt gar furchtbar!), Dosenfleisch und diverse Käsesorten zurückgreifen.

Kulinarische Spezialitäten

Korsische Spezialitäten sollte man sich nicht entgehen lassen. Lonzu, geräuchertes Schweinefilet, oder Coppa, Schweinespeck, sind in dünnsten Scheiben ein wahrer Leckerbissen. Auch die vielen korsischen Käsesorten wird man, zurück in Deutschland, schmerzlich vermissen. Ob die Maden im "fromage de brebis" nun als Spezialität zu werten sind (erzählte man uns beim Trampen und Asterix Seite 20!) oder nicht (erzählte man uns auf Nachfrage nach unserem Käseschock), der Käse schmeckt und duftet herrlich.

Sprache

"le corse", die alte Sprache der Korsen ist überall verbreitet – und sicher kann mit den altbewährten ein bis drei Worten einen guten Eindruck hinterlassen. Wer Italienisch und Französisch beherrscht, wird wohl auch mit Korsisch recht bald zurechtkommen – allen anderen sei Französisch empfohlen. Allgemein sprechen die Franzosen sehr ungern Englisch – auch auf Korsika ist dies nicht anders. Und zumeist ist das Englisch so schlecht, dass es mit Schulfranzösisch besser klappt...

Reisezeit und Wetter

Bereits im März bietet Korsika mit durchschnittlich 10 Regentagen hervorragende Voraussetzungen. Während unserer zwei Wochen regnete es nur einmal in der Nacht, die Sonne brannte zumeist gnadenlos. In größerer Höhe wählten wir schon Schal und Mütze, doch dies nur kurz. Ostern ist es sicher noch ein paar Grad wärmer – in den Monaten Juli und August würde ich von einer Korsikafahrt absehen, denn der Touristenstrom und die große Hitze erschweren uns unsere Fahrt. Außerhalb der Saison wirkt Korsika manchmal wie ausgestorben – und typisch korsisch!

Preisniveau

Korsika ist eine Insel – schon von daher sind alle Dinge hier teurer als auf dem Festland. Noch dazu kaufen wir unterwegs bei kleinen Einzelhändlern ein. Also kein Billigfahrtenland. Wer sich denn dann auch die eine oder andere korsische Spezialität (Honig, Käse, Wurst) erlauben will, muss denn auch tiefer in die Tasche greifen.

Eigene Wanderroute

Um die Insel in zwei Wochen von mehreren Seiten zu sehen, wählten wir folgende Route: - Bastia – Corte mit dem Zug durch eine traumhafte Landschaft.

  • Den Mare A Mare Nord von Corte bis Evisa.
  • Evisa – Olmeto (nördl. von Porticcio) getrampt.
  • Den Mare a Mare Sud von Olmeto bis Porto Vecchio.

Dabei wartete der nördliche Teil mit einer teilweise kargen, spektakulären, von Höhenzügen und Flusstälern geprägten Landschaft auf. Zivilisationskontakte ergaben sich nur bei den Einkaufsstops– Kontakt zu den Korsen gar nicht, die Menschen wirkten eher verschlossen.

Der südlichere Teil war landschaftlich weniger spektakulär – die Berge waren grün, das Klima feuchter und lauer, der Weg folgte nicht mehr den Tälern, sondern querte die Berge – also durchaus anstrengend. Von Ferne sahen wir jedoch die Bavella Felsen und wünschten uns dorthin – einen solchen Abstecher sollte man einplanen. Kulturell kamen wir Korsika hier jedoch näher – die Bevölkerung wirkte aufgeschlossener, aufgrund des häufigeren Zivilisationskontaktes probierten wir zahlreiche korsische Spezialitäten.

Landkarten

Karten der Region kann man bereits in Deutschland beziehen (Corse du Sud und Corse du Nord von Didier Richard) – oder aber vor Ort. Für die einzelnen Wanderwege soll es auch Beschreibungen geben – da alle Touristeninformationen bei unserer Durchreise geschlossen waren, hätten wir diese bereits aus Deutschland organisieren müssen.

Links

Die Seite für Korsika: http://corsica.net.free.fr

Literaturtipps

Asterix auf Korsika, ehapa-Verlag, ISBN 978-3770400201, 20€.

Colomba, Reclam-Verag, ISBN 978-3150012444, 5€ (Thema: "Vendetta", die Blutrache)

Der Artikel geht auf einen Beitrag von Thorsten Buck 2001 zurück.