Nordnorwegen im Winter

Aus Fahrten-Wiki
Version vom 27. Oktober 2018, 12:51 Uhr von Kpf stefan (Diskussion | Beiträge) (Skifahren und Winterwandern)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Trollvasbu
Im Fjäll Richtung Trollvasbu
Tromsø
Kvalöya

Einstimmung

"Der lange, lange Pfad über das Moor in den Wald hinein – wer hat ihn ausgetreten? Der Mensch, der Mensch, der erste, der hier war. Für ihn war noch kein Pfad vorhanden. Später folgte dann das eine oder andere Tier der schwachen Spur über Sümpfe und Moore und machte sie deutlicher und wieder schnupperte allmählich der oder jener Lappe den Pfad auf und benutzte ihn, wenn er von Berg zu Berg wanderte, um nach seinen Rentieren zu sehen.

So entstand der Weg durch die weite Allmende, die niemand gehörte, durch das herrenlose Land."

(Knut Hamsun, Segen der Erde)

Pfade sucht man im winterlichen Norwegen meist vergeblich. Ein weißer Wintermantel hat sie alle zugedeckt. Spuren kann man dagegen umso mehr entdecken. Spuren der eigenen Ski, die sich durch die weite Landschaft ziehen. Spuren von Rentieren, die in der kargen Landschaft nach Nahrung suchen. Und vor allem Spuren, die der Wind in den Schnee hineingeblasen hat und die der Landschaft ihre besondere Form verleihen.

Man kommt sich wirklich vor, als wäre man der erste, der durch herrenloses Land wandert. Das raue Knirschen unter den Skiern, die kalte Luft und der Schnee, der jeden Laut dämpft, lassen den Alltag mit seiner Hektik und seinem Lärm vergessen.

Stundenlang könnte man so vor sich hingleiten. Bis zum Einbruch der Dunkelheit, wenn die Kälte langsam in die Handschuhe kriecht…

Zielgruppe

Nordnorwegen im Winter ist sicherlich eine etwas anspruchsvollere Angelegenheit – an Ausrüstung und Ausdauer. Daher ist es eher für Ältere geeignet. Obwohl die Norweger natürlich auch ihre Kleinen im rauesten Wetter mit nach draußen nehmen. Getreu dem Motto "Früh übt sich, was ein richtiger Norweger werden will…"

Anreise

Zur Anreise gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wer Zeit hat und die Anfahrt genießen will, kann mit dem Postschiff (Hurtigruten) von Bergen bis nach Tromsø fahren. Im Winter kann man sich dieses Vergnügen sogar leisten. Allerdings muss man erst mal bis nach Bergen kommen… Das Auto ist für Nordnorwegen meiner Meinung nach keine echte Alternative. Mehrere tausend Kilometer im Winter durch Norwegen zu fahren, halte ich für etwas zu anstrengend und zeitaufwendig. Wer es trotzdem probieren möchte, braucht eine gute Winterausrüstung und evtl. Reifen mit Spikes.

Mit dem Zug kann man bis ins schwedische Kiruna oder von dort aus weiter bis nach Narvik fahren. Von Narvik aus gibt es einen Bus nach Tromsø.

Als Alternative bleibt das Flugzeug. Insgesamt ist das gar nicht soviel teurer. Von dort kann man häufig per Standby günstig weiter nach Tromsø fliegen. Auch von zuhause aus lassen sich Flüge ab Deutschland buchen, ein Umstieg in Oslo ist aber erforderlich.

Siehe auch: http://www.skyscanner.de

Reisen in Troms

In Troms, so der Name der Provinz (Fylke) rund um Tromsø, gibt es ein gut ausgebautes Busnetz, mit dem man die meisten Ausgangspunkte für Wanderungen und Skitouren erreichen kann. Der Transport von Skier und größerem Gepäck stellt für die Norweger kein Problem dar. Überlandbusse bedienen die größeren Strecken, allerdings sollte man bei einem Besuch im Winter genau überprüfen, wie oft und wann die Busse fahren.

Siehe auch: https://www.tromskortet.no/

Skifahren und Winterwandern

Norwegen ist das Land der Skifahrer. Hier standen mit den "Birkebeiner" die ersten Skifahrer auf hölzernen Latten. Lange Netze von Langlaufloipen ziehen sich um jede größere Ortschaft in Norwegen. Im hohen Norden sind sie meist auch beleuchtet, damit die Norweger nicht nur während der kurzen Stunden der Helligkeit ihre Runden drehen können. So ist es dann keine Seltenheit, nachts um 12 Uhr einen Langläufer vorbeiflitzen zu sehen. Rund um Tromsø gibt es eine lange beleuchtete Langlaufloipe, die Lysloipe, die vom Nord- bis zum Südende der Insel reicht. Nördlich von Tromsø auf der Insel Kvalöya gibt es wunderschöne gespurte Loipen, auf denen man kilometerlang am Berghang entlang wandern und einen fantastischen Blick genießen kann.

Auch Abfahrtsski gibt es in Norwegen. Nahe Tromsø gibt es einige Skihänge, die zum Teil auch mit Flutlicht beleuchtet sind. Allerdings ist Tromsø nicht das typische alpine Skigebiet. Wer Abfahren möchte, sollte eher nach Narvik, an die schwedische Riksgraensen oder Bjørkliden auf der Strecke Narvik- Kiruna.

Viel interessanter ist allerdings das Wandern auf eigene Faust. Norwegen ist ein phantastisches Land zum winterlichen Skiwandern. Die Fjälllandschaft, die schon im Sommer keine Wünsche offen lässt, erhält im weißen Winterkleid ein geheimnisvolles Gesicht. Wer als Mitteleuropäer die weiße Landschaft eigentlich nur aus den Bergen kennt, erlebt hier eine eindrucksvolle weite, weiße Landschaft. Einzelne kahle Krüppelbirken und anderes Gestrüpp lassen den Wanderer schnell nachfühlen, wie die Norweger auf Trollgestalten und andere unheimliche Wesen gekommen sind. In der Dämmerung wird aus jedem Strauch eine Sagengestalt…

Möglichkeiten zu wandern gibt es unzählige: Entweder man wählt sich irgendeinen Gipfel aus, den man erklimmen möchte - z.B. auf Kvalöya im Norden von Tromsø - um danach die Abfahrt zu genießen – oder man wandert über die eher sanften Wellen und langgestreckten Züge des Fjälls.

Südlich von Tromsø liegt Trollvasbu, eine kleine Hütte im Fjäll, die man in knapp 2 Stunden auf den Skiern von der Straße aus erreichen kann. Von dort kann man von Hütte zu Hütte bis nach Tromsø weiterwandern. Oder man nimmt diese gemütliche Hütte als Ausgangspunkt für Tagestouren und Trainingsversuche im Telemarkfahren.

Wasser

Stellt im Winter in Norwegen überhaupt kein Problem dar. Entweder man bedient sich an den eiskalten, von Eis eingerahmten Bächen, oder man schmilzt sich den Schnee direkt vor der Haustür. Das allerdings ist ein recht aufwendiges Verfahren.

Feuer

Im Winter schon eher ein Problem. Zumal es im Fjäll nur wenig Bäume gibt und damit auch der Holznachschub schwierig wird. Wer mit dem Zelt unterwegs ist, sollte in jedem Fall einen wintertauglichen Kocher dabei haben – und nicht zu vergessen die vielen, vielen Kerzen um die langen Winterabende zu erhellen.

Zelten

Wer es gerne kalt und frostig mag, dem sei das Zelt empfohlen. Wir waren über Sylvester unterwegs, einer Zeit, zu der es nur ca. 5 Stunden Tageslicht gab. Und wir haben auch ein paar hartgesottene Zelter getroffen, die es sich an den langen Abenden im Zelt gemütlich gemacht haben. Wer es gemütlicher will, für den steht ein dichtes Netz an romantischen Holzhütten des norwegischen Turistforening (Wandervereins - DNT) zur Verfügung. Nach Anmeldung erhält man einen Schlüssel, der zu jeder Hütte passt. Dort stehen Holzofen und Holz, Gaskocher und weiche Betten bereit. Allerdings bleibt das Schlafen trotzdem winterlich, da die Schlafräume grundsätzlich nicht beheizt werden können…

Für romantischen Hüttenzauber an langen Winterabenden (der Abend beginnt über Neujahr schon um 15 Uhr – nachdem es gegen 10 Uhr hell wird…) ist das sicherlich die angenehmste Variante.

Der norwegische Wanderverein lässt sich diesen Luxus allerdings auch bezahlen. Eine Übernachtung in den Hütten ist nicht ganz billig. Wer länger unterwegs ist, für den lohnt sich eine Mitgliedschaft im norwegischen Wanderverein. Dadurch reduzieren sich die Übernachtungskosten erheblich.

Dennoch sind die Hütten ihren Preis wert, weil sie bestens in Schuss sind und immer mit genügend Holz und Gas versorgt sind (das mühsam übers Fjäll transportiert werden muss).

Lebensmittel

Norwegen ist teuer. Das gilt im Sommer wie im Winter. Ob und wie viel man von zu Hause aus mitnehmen will, hängt davon ab, wie viel man zu tragen bereit ist und wie man anreist. Im Auto empfiehlt es sich, eine Schicht Grundnahrungsmittel unter die Rucksäcke zu legen. Im Flugzeug ist dies sicherlich nicht möglich. Stilechtes Essen wie Rentiergeschnetzeltes, Blaubeersuppe, Tubenbrotaufstrich und Kwik lunsj (eine Art norwegisches Kitkat) gibt’s außerdem sowieso nur in Norwegen zu kaufen.

Klima

Es ist KALT im norwegischen Winter. Tromsø selbst hat durch seine Lage am Meer und damit an den letzten Ausläufern des Golfstroms aber immerhin auch im Winter Temperaturen zwischen +2 bis –6°C. Im Landesinneren, wo der Ausgleich durch das Meer fehlt, wird es dagegen schon deutlicher kälter. In Tromsø kann es wegen des Golfstroms passieren, dass selbst Ende Dezember aller Schnee verschwunden ist und trübes Regenwetter einsetzt. Schneesicherheit gibt es in Tromsø nicht vor Februar/März.

Ausrüstung

Warme Kleidung versteht sich im norwegischen Winter von selbst. Wer im Zelt schlafen möchte, sollte statt eines Daunenschlafsacks auf einen Kunstfaserschlafsack zurückgreifen, weil sich das Kondenswasser auf den Schlafsack niederschlägt und jede lockere Daunenfüllung zu einem klebrigen Klumpen zusammenfallen lässt.

Ohne Ski macht Norwegen nur halb soviel Spaß. Ob man nun alpine Tourenski, Langlaufski oder Telemarkski wählt, hängt davon ab, was man vorhat. Langlaufski eignen sich wegen der fehlenden Kanten nur für präparierte Pisten. Mit Tourenski ist man durch den harten Schuh sehr unbeweglich im Fußgelenk, was auf langen ebenen Strecken unangenehm werden kann. Telemarkski mit ihren weichen, warmen und bequemen Wanderschuhstiefeln kann man auf der Loipe einsetzen und sie sind fürs Fjällwandern ideal – dafür sind sie schließlich auch gedacht! Das Bergabfahren ist allerdings eine völlig andere Technik als beim Alpinski und muss völlig neu gelernt werden. Zumal, wenn man mehrere Kilo Gepäck auf dem Rücken mit sich trägt...

Neben den üblichen warmen Klamotten sollte man auch an gutes Schuhwerk denken. Hier sucht sich die Kälte ganz besonders schnell ihren Weg – und spiegelglatt ist es auf Tromsøs Straßen obendrein. Wer nicht aufpasst, bekommt ganz schnell blaue Flecken. Nur die Fußgängerzone in Tromsø ist mit Fußbodenheizung ausgestattet, die Eis und Schnee den Garaus macht.

Landkarten

Landkarten zu bekommen, ist in Norwegen kein Problem. Die Norweger als Volk der Wanderer und Bergsteiger haben zahlreiche gute Karten zur Verfügung, die man in jeder größeren Stadt (z.B. auch in Tromsø) kaufen kann.

Links

Tromsø touristisch: https://www.visittromso.no/en

Reederei Hurtigruten: http://www.hurtigruten.com

Reederei Color Line: http://www.colorline.de

Fernbusse von NOR-WAY: http://www.nor-way.no/

Fahrplanauskunft für Troms (Bus, Bahn, Schiff): https://www.tromskortet.no

Portalseite Fahrplanauskunft: http://www.ruteopplysningen.no

Der Artikel wird laufend aktualisiert, er geht im Ursprung auf einen Beitrag von Melanie König bei Brummli.net zurück.